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21.01.2014

Ohne Schilddrüse zu leben ist problemlos möglich

Chefarzt Dr. Wolfgang Frehner spricht im Rahmen der Vortragsreihe der Kreisklinik Ottobeuren über die operativen Behandlungsmöglichkeiten von Schilddrüsenerkrankungen

Ottobeuren An der Kreisklinik Ottobeuren hat die sogenannte Kropfchirurgie Tradition. Früher wurden 400 Kröpfe pro Jahr operiert. Unter Dr. Wolfgang Frehner, Chefarzt der Abteilung für Allgemein-, Viszeral- und Thoraxchirurgie an der Kreisklinik Ottobeuren, soll an der Kreisklinik wieder ein Kropfzentrum entstehen.

Denn das Schilddrüsenleiden ist weit verbreitet. In Deutschland haben rund 20 bis 25 Millionen Menschen Probleme mit der Schilddrüse. „Bei Ottobeurens 8000 Einwohnern sagt die Statistik, dass rund 2000 Menschen ein Schilddrüsenleiden haben“, so Dr. Wolfgang Frehner eingangs. Bei einem Drittel der arbeitenden Bevölkerung findet man bei genauer Untersuchung einen Kropf oder einen Knoten. Bei Senioren sogar bei jedem Zweiten.

Die Ursachen liegen zumeist bei einem Mangel an Jod. Ein Erwachsener sollte täglich 200 Mikrogramm Jod zuführen. Aber auch Veranlagung und Vererbung spielen bei den Ursachen eine Rolle. Genauso wie das Geschlecht (Frauen sind häufiger betroffen als Männer) und das Alter.

Die Schilddrüse liegt im vorderen Halsbereich, in einer Art Schmetterlingsform vor der Luftröhre. Hinten an der Schilddrüse befinden sich vier reiskorngroße Nebenschilddrüsen. Diese regulieren den Kalziumstoffwechsel.

Die Schilddrüse produziert Schilddrüsenhormone, die praktisch jedes Organ des Körpers beeinflussen: Gehirn, Herzkreislauf, Wachstum und Reifung der Knochen, Grundumsatz, Körpertemperatur und Skelettmuskulatur.  

Zwischen dem Gehirn und der Schilddrüse besteht ein Regelkreislauf, der vom Gehirn kontrolliert wird. Das Gehirn signalisiert der Schilddrüse wie viele Schilddrüsenhormone sie produzieren und in den Blutkreislauf auswerfen soll.

Bilden sich in der Schilddrüse jedoch sogenannte heiße Knoten, funktioniert dieser Regelkreislauf nicht mehr. Die heißen Knoten werfen dann unkontrolliert Schilddrüsenhormon ins Blut aus und lassen sich nicht mehr vom Gehirn regulieren. Die vermehrten Schilddrüsenhormone können in der Folge beispielsweise das Herz dazu animieren mehr zu arbeiten. Krankmachende Herzrhythmusstörungen können so entstehen.

Äußert ein Patient Beschwerden wie Luftnot, Schluckbeschwerden oder Enge-Gefühl im Hals, wird nach der Erhebung der Krankengeschichte über einen Ultraschall die Größe der Schilddrüse und die Existenz von möglichen Knoten ermittelt. Weiterführende Untersuchungen wie die Szintigrafie oder eine Blutabnahme geben Gewissheit über die Art der Schilddrüsenerkrankung.

Oft kann jedoch nur eine Operation eine vollständige Heilung bewirken. Dr. Frehner empfiehlt die Operation bei Schilddrüsenerkrankungen wenn ein Befund mit vielen Knoten und Beschwerden vorliegt, wenn der Kropf Funktionsstörungen macht und immer bei Verdacht auf Bösartigkeit. Bei einem geringen Prozentsatz kann ein Befund bösartig sein. Schilddrüsenkrebs hat jedoch sehr gute Heilungschancen, beruhigte der Chefarzt.

Alternativ zur Operation kann man in frühen Stadien auch eine medikamentöse Behandlung oder bei heißen Knoten eine Radiojodtherapie einleiten. Eine solche Radiojodtherapie kann jedoch nur stationär erfolgen, da hierbei der Knoten von innen bestrahlt wird.

Bei Schilddrüsenoperationen spiele Erfahrung eine wichtige Rolle. In den Händen eines erfahrenen Operateurs wäre eine Schilddrüsenoperation eine sehr sichere Operation mit einer geringen Gefahr an Komplikationen, betonte Dr. Frehner. Zusätzlich helfe modernste Medizintechnik. Beispielsweise lässt sich noch unter Operationsbedingungen die Funktion des Stimmbandnervs durch ein sogenanntes Neuromonitoring überprüfen. Dabei wird eine elektrische Stimmgabel an den Nerv gehalten, der dann ein bestimmtes Geräusch von sich gibt.

Bei der Wahl der richtigen Therapie sollten vor einer Operation immer alle Alternativen in Erwägung gezogen werden. Sollte eine Schilddrüsenentfernung jedoch nötig sein, sei ein Leben ohne Schilddrüse heute problemlos möglich, erklärte Dr. Frehner abschließend.